Vortrag zur Gesundheitsversorgung in Achim

Der Ortsverband der Achimer Grünen traf sich am 21. Januar zur ersten Sitzung des Jahres. Haupttagesordnungspunkt war die Entwicklung der hausärztlichen Versorgung in Achim. Als kompetenten Gast hatten die Grünen Herrn Rievers, den Geschäftsführer der Bezirksstelle Verden der Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen eingeladen. Er präsentierte Daten zur aktuellen ärztlichen Versorgung und die zukünftigen Perspektiven.

Herr Rievers führte zunächst aus, dass die aktuelle hausärztliche Versorgung in Achim gut sei. Aber das wird nicht so bleiben. Der hausärztliche Versorgungsbereich Achim umfasst die Stadt Achim und die Gemeinden Oyten und Ottersberg. Hier wird der hausärztliche Versorgungsgrad mit 102,0 % (Vorjahr: 99,2 %) angegeben. Ab einem Versorgungsgrad von
110 % wird der Bereich gesperrt. In absoluten Zahlen heißt das: 38,25 Hausarztsitze sind besetzt, es gibt noch 3,5 freie Hausarztsitze. Allerdings können sich die Ärzt*innnen frei im gesamten Versorgungsgebiet niederlassen.
Deshalb gibt es in Oyten noch freie Kapazitäten für über 100 Hausarztpatient*innen, während Achimer Praxen oft keine neuen Patient*innen mehr aufnehmen.
Ungefähr 40 % der Hausärzt*innen in diesem Bereich sind über 63 Jahre alt, könnten also in den nächsten 5 Jahren in den Ruhestand gehen. Es steht uns perspektivisch  eine erhebliche Verschlechterung der Hausarztversorgung bevor, wenn nicht entschieden gegengesteuert wird.

Ähnlich ist die Situation bei den Fachärzten,  die zu den sogenannten „Grundversorgern” gezählt werden. Allerdings werden die Facharztsitze erst ab einem Versorgungsgrad von 140 % gesperrt, der fachärztliche Planungsbereich ist auf den Landkreis ausgeweitet.

Detaillierte Angaben findet ihr hier:
Vertragsärztliche und vertragspsychotherapeutische Versorgung in Niedersachsen 2025

Augenärzte:

122,9 %

Chirurgen/Orthopäden:

146,8 %

Frauenärzte

125,7 %

HNO-Ärzte

154,5 %

Hautärzte

120,1 %

Kinderärzte

118,0 %

Nervenärzte

132,2 %

Psychotherapeuten

147,4 %

Urologen

135,8 %

Während seines Vortrags beantwortete Herr Rievers zahlreiche Fragen, hier aus Platzgründen nur die Antworten:

Zusätzlich zur demographischen Entwicklung hat sich das Verhalten der Patient*innen geändert. Die Menschen sind früher seltener zum Ärzt*innen gegangen, die Kenntnisse über „Hausmittel“ sind in vielen Familien verloren gegangen. Teilweise „verstopfen“ Patient*innen mit Bagatellerkrankungen die Praxen.
Trotzdem bieten immer noch viele Praxen Hausbesuche an.

Vom Vorhalten Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) in kommunaler Trägerschaft rät Herr Rievers ab. Häufig sind diese hoch defizitär. Um dem Ärzt*innenmangel vorzubeugen, empfiehlt er stärkere Digitalisierung, Entbürokratisierung und die Delegation von ärztlichen Aufgaben an hochqualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Für diese Mitarbeiter*innen gibt

Hausärztliche Versorgung
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Um neue Hausärzte zu gewinnen hält die KVN regelmäßig Vorträge an Universitäten mit medizinischen Studiengängen. Die Ansiedlung von Ärzt*innen in stark unterversorgten Gebieten wird durch die KVN mit erheblichem finanziellem Aufwand gefördert. Allerdings gibt es deutlich zu wenig Studienplätze.
Das Landarztprogramm in Niedersachsen, eng verknüpft mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), zielt auf die Sicherung der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum durch finanzielle Förderung und eine spezielle Studienplatzquote ab. Jährlich werden 60 Studienplätze für angehende Landärzte reserviert, die sich zu zehn Jahren Tätigkeit in unterversorgten Regionen verpflichten. Zudem fördert die KVN die Niederlassung mit bis zu 75.000 €.

Ein attraktiver Standort für die Neuansiedlung von Ärzt*innen zeichnet sich nach Meinung von Herrn Rievers durch folgende Merkmale aus: verfügbarer Wohnraum, gute Kinderbetreuung (Kita und Schule), attraktive Arbeitsplatzangebote für mögliche Partner*innen und ggf. monetäre Anreize. Er warnt allerdings vor einem „Förderwettbewerb“ der Gemeinden. Besser wäre aus seiner Sicht eine landkreiseinheitliche Förderungsrichtlinie.

Qualifizierte Zuwanderung von Ärzten trägt nicht unerheblich zur Milderung des Ärzt*innenmangels bei. Allerdings schwankt die Qualifikation des eingewanderten Personals je nach  Herkunft deutlich.
Die KVN wirbt nicht aktiv in anderen Ländern an, da dies den Ärzt*innenmangel in den Herkunftsländern verstärken würde.

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