Schüler*innen des Gymnasiums am Markt gestalten Gedenkfeier zum Volkstrauertag

Bevor am Sonntag, 17.11.2024 um 11:30h, die zentrale Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Rathaus begann, bereiteten sich neun Schüler*innen des GamMas und ihr Schulleiter akribisch vor. Technik wurde aufgebaut und eingerichtet, Texte geprobt und die musikalische Begleitung geübt.

Nach Reden von Bürgermeister Rainer Ditzfeld, Reiner Aucamp als Vorsitzendem des VdK Stadtverbandes und Musik des Posaunenchores der St. Laurentiusgemeinde, hielt Pastor Jorit Gøbel eine beeindruckende und klare Rede. Er sprach von der Verantwortung, die Wahrheit über die Geschichte des Zweiten Weltkrieges zu sprechen. Es dürfe nicht sein, dass die Gräueltaten der Nationalsozialisten verharmlost würden mit Worten wie: „Das war doch gar nicht so schlimm.“ Besonders nicht von einem Menschen, der Geschichte studiert, als Lehrkraft unterrichtet hat und definitiv um die zerstörerische Macht der Nazis weiß, so sein deutlicher Verweis, ohne dabei den Namen Höcke (AfD) in den Mund zu nehmen.

Pastor Jorit Gøbel hielt eine beeindruckende und klare Ansprache

Ob die Schüler*innen des GamMas das Motto des diesjährigen Volkstrauertages kannten? Es lautete: „Das Gedenken an die nächste Generation weitergeben“. Die Erinnerung bewahren und sich der Verantwortung bewusst sein, dass wir die Hüter*innen des Friedens und der Demokratie sind, in der wir leben dürfen. Die vorgetragenen Texte entsprachen der Stimmung. Man konnte den jungen Menschen anmerken, dass sie sich intensiv mit dem Thema Gedenken und Erinnerungskultur befasst hatten. Unterlegt durch Instrumentalmusik am E-Piano, lasen sie im Wechsel Gedichte von Archibald MacLeish, Lena Raubaum und weiteren Autoren.

Die jungen toten Soldaten

Die jungen toten Soldaten sprechen nicht.
Aber man hört sie in stillen Häusern: Wer hat sie nicht gehört? …
Sie sagen: Wir waren jung. Wir sind gestorben. Denkt an uns.
Sie sagen: Wir haben getan, was wir konnten, aber bevor es vorbei ist, ist es nicht getan.
Sie sagen: Wir haben unser Leben gegeben, aber bevor es vorbei ist, kann keiner wissen, was unsere Leben gaben.
Sie sagen: Unser Tod ist nicht unser. Er ist euer; er wird bedeuten, was ihr daraus macht.
Sie sagen: Ob unser Leben und Tod für Frieden war, und für neue Hoffnung, oder für nichts, können wir nicht sagen, denn ihr müsst es sagen.
Sie sagen: Wir lassen Euch unsere Tode. Gebt ihnen Sinn. Wir waren jung, sagen sie. Wir sind gestorben. Denkt an uns.

Archibald MacLeish

Zuversicht

Wenn nach dem Weinen ein Lachen entsteht
und nach der Nacht die Sonne aufgeht
wenn nach dem Winter der Frühling singt
und in der Stille ein Lied erklingt
wenn nach dem Streit Versöhnung bleibt
und nach dem Schmerz die Wunde heilt
dann spür ich das, was mein Herz gut kennt
dann spür ich das, was sich Hoffnung nennt

Lena Raubaum
Auch der Posaunenchor der St. Laurentiusgemeinde begleitete die Feier
Auch der Posaunenchor der St. Laurentiusgemeinde begleitete die Feier

Begleitet von Feuerwehr und Vertreter*innen der Schützenvereine wurden anschließend Kränze der Stadt Achim, der Vereine und Verbände am Ehrenmal im Rathauspark niedergelegt. In kleiner Runde, denn trotz strahlendem Sonnenschein hatten sich nur wenige Teilnehmer*innen im Park eingefunden. Abschließend verlas Reiner Aucamp dort das traditionelle Totengedenken .

Leere Stühle im Rathausfoyer
Bürgermeister Rainer Ditzfeld bei seiner Ansprache im Ratshaus
Reiner Aucamp trug das traditionelle Totengedenken vor
Teilnehmer der Gedenkfeier im Rathauspark

Text des traditionellen Totengedenkens des Bundespräsidenten in der Fassung von 2021

„Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt Opfer geworden sind. Wir gedenken der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land.

Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

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