Der jährliche Radverkehrstag des Kommunalverbunds Bremen /Niedersachsen wurde bereits zum zweiten Mal in Achim durchgeführt. Eine Besonderheit war diesmal die Befahrung des Radschnellwegs Premiumroute 1 von Bremen Mahndorf bis Achim-Uesen. Nach der Exkursion endete die Veranstaltung im Kasch mit Vorträgen und einer politischen Gesprächsrunde zum Thema „Regionale Premiumrouten umsetzen: Erfahrungen aus der Stadt Achim“, in der Moderator Michael Glotz-Richter Herfried Meyer von der SPD und unseren Fraktionsvorsitzenden im Achimer Stadtrat Michael Schröter zu ihren Erkentnissen und Schussfolgerungen zu dem schon fast 9 Jahre laufenden Projekt befragte.
Impressionen von der Veranstaltung
Der politische Weg vom Projekt ‚MAchBaR‘ zur Premiumroute1
Der „Geburtstag“ dieses Projekts war wohl der 18. Dezember 2017: Der Verwaltungsausschuss der Stadt Achim beschloss, ein gemeindeübergreifendes Verkehrs- und Mobilitätskonzept für den Nordkreis anzustoßen. Um das übliche Kirchturmdenken zu überwinden, wurde die Federführung bewusst an den Landkreis Verden übertragen. Bei einem ersten Treffen der Bürgermeister im Mai 2018 entstand aus dem Austausch über das regionale Radnetz die konkrete Idee eines Radschnellwegs von Achim nach Verden. Bereits Ende 2018 lag mit der Machbarkeitsstudie zum Projekt ‚MAchBaR‘ ein erster konkreter Vorschlag vor: eine Trasse nördlich der Eisenbahn vom Bahnhof Mahndorf über Achim bis zum Bahnhof Achim Baden.
Doch den großen Plänen folgten harte Haushaltsdebatten. Die Politik reagierte zunächst vorsichtig: Die Beschlüsse zur Beantragung von Fördermitteln wurden zunächst vertagt und im Doppelhaushalt 2019/2020 mit einem strikten Sperrvermerk versehen. Die Devise lautete: keine Freigabe kommunaler Mittel ohne eine feste Förderzusage des Bundes. Der große Durchbruch folgte im November 2019, als der Bund eine Förderung von knapp einer Million Euro für die Planungskosten zusagte, flankiert von weiteren Förderprogrammen des Landes Niedersachsen. Im Dezember 2019 fasste der Rat der Stadt Achim daraufhin den Grundsatzbeschluss zur Realisierung des ‚Abschnitts Achim‘ mit dem klaren Ziel, die Förderquote durch die Kombination von Bund, Land und Kreis auf über 85 Prozent zu schrauben.
Ab 2022 ging es in die detailreiche Entwurfsplanung, bei der ganz handfeste, lokale Herausforderungen gelöst werden mussten. Die Stadtratsfraktionen stellten dazu Anträge die vom Umgang mit bestehenden Gewerbehallen über die Planung neuer Brückenkonstruktionen bis hin zu Anträgen für eine intelligente Beleuchtung, landwirtschaftliche Nutzungen und verbesserte Barrierefreiheit an Trogbauwerken reichten. Auch schmerzhafte Lektionen im Naturschutz gehörten dazu: Nach Rodungen entlang der geplanten Trasse im Herbst 2022 setzte die Achimer Politik ein deutliches Zeichen für mehr Transparenz und verlangte eine frühestmögliche Information des Rates bei schweren Eingriffen in die Natur.
Am 14. Juni 2024 wurde der erste fertiggestellte Bauabschnitt zwischen dem Bahnhof Achim-Baden und der Hasseler Straße feierlich eröffnet, gleichzeitig wurde der Achimer Radschnellwegs (RaSCH) in „Premiumroute 1“ umbenannt. Grund für die Umbenennung war die Zusammenführung zweier Großprojekte: Bis Sommer 2024 liefen die Planungen auf beiden Seiten der Landesgrenze unter verschiedenen Namen. In Niedersachsen baute man am Achimer Radschnellweg (RaSCH), während Bremen die Fortsetzung auf eigenem Stadtgebiet als Premium-Radroute D.15 (von Bremen-Nord über die Innenstadt bis Mahndorf) entwickelte. Hintergrund war, dass unter dem Dach des Kommunalverbunds Niedersachsen/Bremen die Initiative „Radregion Bremen“ gestartet wurde. Deren Ziel ist ein Netz aus hochwertigen Alltagsradrouten, die schnelle und sichere Radwegeverbindungen über Stadt- und Landesgrenzen hinweg bereitstellen sollen. Mit der Umbenennung wurden beide Projekte zu einer einzigen, durchgehenden Achse verschmolzen.
Heute, im Jahr 2026, sehen wir das beeindruckende Ergebnis dieser Beharrlichkeit. Aus der damaligen Idee wird eine hochmoderne, 10,5 Kilometer lange Premiumroute für den Radverkehr entstehen, die schon jetzt in großen Teilen fertiggestellt ist. Mit der Eröffnung des Bauabschnitts 1.1 in Uphusen im Mai 2026 und wegweisenden Elementen wie einer autarken, sensorgesteuerten Solar-Beleuchtung zeigen wir in Achim eindrucksvoll, wie moderne Radinfrastruktur Pendlerverkehre entlastet und Fahrzeiten deutlich verkürzt.
Da der Radschnellweg direkt im Bahngrenzbereich zur Bahnstrecke Bremen Hannover verläuft, liegt er teilweise auf den Flächen, die die Deutsche Bahn für das potenzielle dritte Gleis sowie für die dazugehörigen Lärmschutzwände und Sicherheitsabstände beansprucht.
Die Achimer Politik stand vor dem Dilemma, eine hochmoderne Infrastruktur für Millionen Euro zu errichten, die bei einem späteren Bahnausbau im schlimmsten Fall wieder zurückgebaut oder aufwendig verlegt werden müsste. Die Planungsunsicherheit und der zu Beginn nicht absehbare Zeithorizont der Bahnplanungen wirken sich unmittelbar auf die Detailplanung aus. Gerade in den sensiblen Grenzbereichen sind aufwendige Abstimmungen erforderlich, um die Sicherheitsvorgaben der Bahn einzuhalten, ohne einen künftigen Gleisbau grundsätzlich zu erschweren. Wegen dieser Unwägbarkeiten werden Teile der heutigen Premiumroute nur provisorisch ausgeführt – mit 3 statt 4 Metern Breite –, da in 10 bis 25Jahren mit einer Verlegung einzelner Streckenabschnitte zu rechnen ist.